In deinem Inneren ist eine Quelle, die nie versiegt, wenn du nur zu graben verstehst.

(Mark Aurel)

Depression

Der folgende Artikel stellt Auszüge (z.T. durch die Verfasserin zusammengefasst) der Ergebnisse der Umfrage Psychotherapie der Stiftung Warentest vor.
Vergleich dazu:

http://www.test.de/Ergebnisse-der-Umfrage-Psychotherapie-Therapie-hat-vielen-geholfen-4288428-0/

Ergebnisse der Umfrage Psychotherapie der Stiftung Warentest

Knapp 4 000 Menschen mit seelischen Problemen beteiligten sich an dieser Umfrage zur Psycho­therapie.

Depressionen und Ängste am häufigsten

Knapp 4 000 Befragte hatten in den letzten fünf Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen. Mit Abstand am häufigsten wurden Depressionen (79 Prozent) genannt, gefolgt von Ängsten (64 Prozent) und Belastungsreaktionen (27 Prozent). Letztere entstehen zum Beispiel nach traumatischen Erlebnissen. Weiterhin wurden genannt: Persönlichkeitsstörungen (20 Prozent), Essstörungen (18 Prozent) sowie Missbrauch von zum Beispiel Alkohol (12 Prozent) und Süchte (8 Prozent). Dabei wurden häufig mehrere psychische Probleme angegeben.

Die meisten setzen auf Psychotherapie

Knapp 3 000, also etwa drei Viertel der Befragen mit seelischen Problemen, suchten professionelle Hilfe. Dabei entschied sich die große Mehrheit (83 Prozent) für eine ambulante Psychotherapie in einer Praxis. 40 Prozent der Befragten ließen sich stationär in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik behandeln. Etwa jeder achte der Umfrageteilnehmer ging in eine Tagesklinik: Er wurde tagsüber stationär betreut, schlief aber zuhause. Und 22 Prozent nutzten andere professionelle Hilfen wie z.B. Psychopharmaka. Diese Medikamente helfen oft schnell, können aber Nebenwirkungen haben und leicht zur Dauertherapie geraten. Daher kommen sie vor allem bei schweren psychischen Störungen – und kombiniert mit einer Psychotherapie – zum Einsatz.

Nur wenige suchen sich sofort Hilfe

Nicht jeder Leidende sucht sofort Hilfe. So entschieden sich knapp zwei Drittel der Befragten erst für eine Psychotherapie, nachdem ihre seelischen Probleme schon mindestens ein Jahr bestanden hatten. Jeder fünfte Umfrageteilnehmer wartete sogar länger als zehn Jahre bis zu diesem Schritt. Die wichtigsten Gründe für ein Zögern: „Ich wollte allein mit dem Problem fertig werden“ und „Die Probleme kamen mir nicht schwer genug vor“.

Therapeutensuche über Ärzte und Freunde

Die meisten Umfrageteilnehmer erhielten eine von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Therapie. Die Kontakte vermittelten ihnen meist ihre behandelnden Ärzte (37 Prozent) oder Verwandte und Freunde (19 Prozent). Weit weniger, nämlich je 11 Prozent, nutzten für die Psychotherapeutensuche das Internet oder Verzeichnisse, etwa die Gelben Seiten.

„Zuhören und Reden“

Meist fand die Therapie in Form von Einzelsitzungen statt, häufig einmal die Woche (55 Prozent). 62 Prozent der Behandler waren psychologische Psychotherapeuten, 27 Prozent ärztliche Psychotherapeuten.

Motivation und Sympathie entscheiden

Über das Gelingen einer Psychotherapie entscheiden vor allem zwei Dinge: Die Bereitschaft des Patienten zum Mitmachen und eine gute Beziehung zum Therapeuten. Beides scheint laut Umfrage oft zu klappen. So bemühten sich fast alle Befragten, aktiv mitzuarbeiten und so offen wie möglich zu sein (je 97 Prozent). Zudem gaben viele an, sich auch zwischen den Sitzungen mit den besprochenen Themen zu beschäftigen (92 Prozent). Umgekehrt bescheinigten viele ihren Therapeuten eine gute Arbeitsweise, etwa ein beruhigendes und unterstützendes Verhalten (83 Prozent), Aufgeschlossenheit gegenüber Fragen und Kritik (77 Prozent), Gründlichkeit bei der Problemlösung (73 Prozent). Und knapp 80 Prozent waren insgesamt mit ihrem Therapeuten zufrieden oder sehr zufrieden.

Große Wirkung bei vielen Befragten

Vor allem aber zeigt die Umfrage den Nutzen der Psychotherapie. So fanden 77 Prozent der Teilnehmer vor Beginn der Behandlung ihr seelisches Leiden „sehr groß“ oder „groß“. Nach dem Ende der Therapie lag dieser Anteil nur noch bei 13 Prozent. Auch die Einschränkungen im Alltag, genauer in Beruf, Freizeit und Familie, sanken bei vielen Befragten deutlich. Und es wurden weitere positive Effekte genannt, etwa mehr Lebensfreude (68 Prozent), ein besseres Selbstwertgefühl (63 Prozent), ein leichterer Umgang mit alltäglichem Stress (61 Prozent) oder ein Anstieg der Arbeitsfähigkeit (53 Prozent).

Kein Allheilmittel für jeden

Ein Spaziergang ist die Seelenerkundung allerdings nicht. Entsprechend berichteten viele Befragte über vorübergehende unerwünschte Effekte, vor allem eine Belastung durch die Beschäftigung mit unangenehmen Themen (46 Prozent), neue Probleme (39 Prozent) oder Angst in schwierigen Situationen (25 Prozent). Und es gab auch Misserfolge. So brach etwa jeder fünfte Befragte die Behandlung ab. Die häufigsten Gründe: Keine Besserung (45 Prozent), Schwierigkeiten mit dem Therapeuten (39 Prozent) oder Zweifel an dessen Kompetenz (36 Prozent). Das zeigt: Ähnlich wie medizinische Behandlungen ist Psychotherapie kein Allheilmittel für jeden.

Tipps

Wichtig für hohe Erfolgschancen einer Psychotherapie ist Ihre Herangehensweise. Das können Sie selbst tun:

  • Informieren Sie sich über die Psychotherapierichtungen, gleichen Sie sie mit den eigenen Vorstellungen ab.
  • Befragen Sie den Therapeuten zu Beginn zu seiner Arbeitsweise, seinen Erfahrungen mit Ihrem Problem und seinem Zeitplan für Ihre Therapie.
  • Vor allem aber achten Sie darauf, ob Sie ihn sympathisch finden.